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Bewerbung ab 50 leicht gemacht

von Yasmina Landwehr 14.05.2018


Arbeiten bis 67? Schön wär's, denken sich viele Bewerber mit Anfang 50! Insbesondere Bewerber in der Mitte des Lebens haben es auf dem Bewerbermarkt oft schwer. Oftmals haben ältere Arbeitsuchende aufgrund neuer Anforderungen oder längerer Arbeitslosigkeit Probleme den Weg zurück ins Arbeitsleben zu finden, denn der Weg dorthin ist teilweise mit vielen Hindernissen gespickt.

Zunächst einmal die gute Nachricht für ältere Bewerber: Qualifizierte Fachkräfte sind Mangelware. Laut dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung1 wird der Anteil der über 50- jährigen Erwerbspersonen sich bis 2020 auf deutlich über 30 Prozent erhöhen, während der Anteil der unter 30-jährigen auf unter 20 Prozent fallen wird. Diese Entwicklung spielt natürlich gerade älteren Bewerbern in die Karten - denn ältere Arbeitnehmer haben so deutlich größere Beschäftigungs- und Weiterbildungschancen auf dem Arbeitsmarkt. In vielen Köpfen steckt noch die Idee, dass Aus- und Weiterbildungen nur für junge Leute sind. Doch durch den demografischen Wandel ist es in vielen Branchen durchaus möglich auch als Quereinsteiger durchzustarten und viele Unternehmen fördern gerade deshalb die Aus- und Weiterbildung von älteren Arbeitnehmern.

Doch wie kommt es dazu, dass man sich in der Mitte des Lebens noch einmal beruflich umorientieren möchte? Die Gründe für den Wunsch nach beruflicher Neuorientierung können hierbei vielfältig sein. Laut einer Studie2 des Karriere Coach Slaghuis ist insbesondere in der Lebensmitte der Jobfrust am Größten. Viele möchten sich neuorientieren. Sei es, dass der ursprünglich erlernte Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann oder die Unzufriedenheit mit dem jetzigen Arbeitgeber groß ist. Da man den Großteil seiner Lebenszeit auf der Arbeit verbringt, sollte man auch im Alter die Möglichkeit auf einen beruflichen Neustart nicht scheuen.

Ein beruflicher Neuanfang kann durchaus mit über 50 gelingen – so wie bei Wolfgang Fobbe, der mit 57 Jahren die Notbremse zog und seinen alten erlernten Beruf als Forstingenieur gegen seinen Kindheitstraum eintauschte: Lokführer werden.3 Wenn man einmal wie Wolfgang Fobbe den Mut und die Überzeugung gefunden hat, sich beruflich umzuorientieren, steht man zwangsläufig vor dem Schritt: Bewerbung schreiben. Diese Herausforderung gilt es zu meistern, denn eine gute Bewerbung ist der erste Schritt zum Erfolg.

Doch was gilt es bei einem Jobwechsel zu beachten? Welche Tipps kann ich mitnehmen, gerade wenn es schon Jahre her ist, dass ich meine letzte Bewerbung geschrieben habe? Insbesondere die Anforderungen an eine Bewerbung haben sich in den letzten Jahren gewandelt. Daher können die nachfolgenden Tipps helfen um eine gelungene Bewerbung zu erstellen:

  1. Ihre Lebensgeschichte / Lebenslauf

  2. Bei einer Bewerbung von sehr berufserfahrenen Bewerbern kann ein detaillierter Lebenslauf sehr umfangreich ausfallen. Es ist daher wichtig, dass Ihr Lebenslauf einen roten Faden hat und Ihr Lebenslauf nicht länger als zwei Seiten ist. Führen Sie für Ihre angestrebte Position die wichtigsten Punkte auf. Sie haben sonst im weiteren Bewerbungsverlauf die Möglichkeit näher auf Ihren Lebenslauf einzugehen. Es gilt: Weniger ist oftmals mehr!

  3. Der erste Eindruck zählt

  4. Bestimmt haben Sie noch ein altes Passfoto zu Hause vorliegen. Allerdings sollten Sie lieber in aktuelle, professionelle Bewerbungsfotos investieren. Ein ansprechendes Bewerbungsfoto vermittelt einen guten Eindruck von Ihnen auf den ersten Blick.

  5. Arbeiten Sie Ihre Vorzüge raus

  6. Sie haben bereits viel Expertise gesammelt, stellen Sie Ihre Pluspunkte im Bewerbungsprozess heraus. Überlegen Sie mit welchen Fähigkeiten Sie im neuen Job punkten können. Erfahrung ist gefragt und wird von vielen Unternehmen gesucht. Hierbei sollten Sie auch beachten, dass Sie sich neben Fachkenntnissen auch viele Softskills angeeignet haben. Hierzu zählen bspw. Verantwortungsbewusstsein, Konfliktfähigkeit und Menschenkenntnis. Denken Sie daran, was sie bereits alles gemeistert haben: Firmenumstrukturierungen, Branchenwechsel, verschiedene Vorgesetztenstile und auch private Umzüge in neue Städte, Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen. Dies sind alles Leistungen, die zeigen, was Sie an Lebenserfahrung sammeln konnten – denn man bedenke, nicht alles was Sie als selbstverständlich ansehen, ist es auch. Vermutlich punkten Sie in vielen Fällen gerade hier gegenüber jüngeren Bewerbern. Seien Sie stolz auf das was sie erreicht haben – Sie wissen wie der Hase läuft!

  7. Stehen Sie zu Ihren Schwächen

  8. Sie werden nicht nur Vorzüge gegenüber jüngeren Bewerbern haben und sollten sich nicht nur auf Ihren Erfolgen ausruhen. Zeigen Sie, dass Sie weiterhin lernfähig und wissbegierig sind! Vielleicht ist in der neuen Firma ein gewisser Grad an Englischkenntnissen gefragt. Ihre reichen vielleicht, um sich grob im USA Urlaub zu verständigen, aber wenn es dann ums „Committen“, „Reporten“ oder den „Content“ geht, taucht vielleicht ein Fragezeichen auf? Kein Problem, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Gehen Sie offen mit ihren Schwächen um und bieten an, einen Sprachkurs zu absolvieren. Häufig sind kleinere Schwächen keine Ausschlusskriterien.

  9. Seien Sie flexibel

  10. Sie sind örtlich eventuell aufgrund von Eigentum gebunden, aber haben eine hohe Arbeitsmoral und können sich stärker auf Ihren Job fokussieren, denn Ihre Familienplanung ist bereits abgeschlossen. Betonen Sie solche Vorzüge! Seien Sie auch flexibel und nehmen kurzfristige Abstriche in Kauf. Vielleicht müssen Sie nochmal eine Qualifizierung durchlaufen und verdienen kurzfristig weniger Geld als vorher. Denken Sie langfristig! Stehen am Ende der Ausbildung ein lukrativer und zukunftssicherer Job? Dann sollten Sie das Risiko eingehen.

  11. Präsentieren Sie sich zeitgemäß

  12. Bewerben Sie sich, wenn möglich online über das Karriereportal des Unternehmens oder per E-Mail anstatt der klassischen Papier Bewerbung. Dadurch wird gleich bemerkt, dass Sie sich mit der digitalen Welt auseinander gesetzt haben. Zudem können Sie sich ein Profil auf den Online Karrierenetzwerken XING4 und LinkedIn5 anlegen. So können Sie Kontakte knüpfen und können auch leichter von Personaler gefunden werden.

Probieren Sie die genannten Bewerbungstipps aus und Sie können souverän in den Bewerbungsprozess einsteigen. Ihr Lebensalter und die damit verbundenen beruflichen Leistungen sind Ihre Stärke! Denken Sie dran, es ist nie zu spät, das zu werden, was man hätte sein können (George Eliot –engl. Schriftstellerin).

Gerne können Sie in der Kommentarspalte schreiben, was Sie für Erfahrungen im Bewerbungsprozess mit 50 + gemacht haben – vielleicht haben Sie ja den ein oder anderen Tipp zu ergänzen?

1https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/DemografischerWandel/EntwicklungErwerbspersonenzahl5871104099004.pdf?__blob=publicationFilehttps://www.business-wissen.de/artikel/demografischer-wandel-aeltere-mitarbeiter-als-herausforderung-fuer-fuehrungskraefte/
2https://www.bernd-slaghuis.de/karriere-blog/studie-karrieretrends-2016-1/
3http://www.maz-online.de/Lokales/Ostprignitz-Ruppin/Wolfgang-Fobbe-wechselte-mit-57-den-Zug


Yasmina Landwehr

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